Fachtag 17.06.2015 Auch Drogenkonsumenten werden alt!

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Der Fachtag 2015 der Suchtkrankenhilfe Ostfriesland gGmbH beschäftigt sich mit der Frage nach Betreuungs- und Hilfestrukturen für alt gewordene Drogenkonsumenten:  

„Auch Drogenkonsumenten werden alt!“

Dr. Torsten Schmidt und Werner Jörden-Thamm berichten von ihren Erfahrungen bei der Realisierung einer Altersversorgung durch die Aids-Hilfe Bremen

Die Aids-Hilfe Bremen hat seit jeher einen Schwerpunkt in der Arbeit mit Drogenkonsumenten. Im ambulanten Betreuen Wohnen werden HIV- infizierte und kranke Menschen begleitet. Durch die Erfolge der Aids-Medikation, Safer Use und der Substitution  war schon früh absehbar, dass die Lebenserwartungen von Drogenkonsumenten steigen werden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass diese häufig  sehr vorgealtert sind. Noch keine fünfzig Jahre alt, zeigen sie Krankheitsbilder hochbetagter, pflegebedürftiger Menschen. Zudem nicht selten in einer angemessenen Selbstversorgung ungeübt, vereinsamt und noch abhängig, ohne Alterswohnsitz und ohne Altersrente entstand die Notwendigkeit einer diesen besonderen Bedingungen entsprechenden Altenarbeit. Eine Aufgabe, die aus naheliegenden Gründen nicht von den Konzepten der konventionellen Altenarbeit im vollen Umfang aufgefangen werden kann - sondern die eine neue Herausforderung an die Drogenhilfe darstellt. Erschwerend für die Aids-Hilfe Bremen ist, dass sie seit 2004 selbst keine staatliche Förderung mehr erhält. Trotzdem betreibt sie seit 2013 ein Haus für zunächst sechs alte Junkies mit einem Konzept großmöglichster Autonomie, keiner Abstinenzerwartung, (Organisation von) Betreuung/Pflege und freiwilligen Gruppenangeboten etc.

Dr. Torsten Schmidt, Dipl. Sozialpädagoge/Jurist, geb. 1953. Das Handwerk der Drogenarbeit lernte er in den 70er Jahren in Amsterdam als Mitarbeiter der Stiftung AMOC. Seit 30 Jahren unterrichtet er u.a. an Hochschulen. Promoviert hat er über Selbstmedikation vs. Risiko beim illegalen Straßenverkauf und Erwerb von Methadon und Pillen. Bei der AIDS-Hilfe Bremen erarbeitete er aus den Ideen und Erfahrungen der KollegInnen das erste Konzept für das Altersheim. Heute ist er selbständig als gesetzlicher Betreuer.

Werner Jörden-Thamm, Dipl. Sozialpädagoge; Zusatzausbildungen als Systemischer Berater und Betriebswirt für Soziale Berufe, geb. 1966. Nach dem Studium in Bremen zunächst soziale Arbeit mit psychisch kranken Menschen, seit 15 Jahren bei der Bremer Aids-Hilfe als Berater und im Betreuten Wohnen für DrogenkonsumentInnen. Baute das Altersheim in Bremen Nord mit auf und gehörte nach der Eröffnung zur ersten Besetzung.

Downloads zum Fachtag

 

 

Vogt, I., Eppler, N., Ohms, C., Stiehr, K. & Kraucher, M. (2010a): Ältere Drogenabhängige in Deutschland. Abschlussbericht. Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit. Frankfurt, Institut für Suchtforschung Frankfurt.