OZ 15.05.2006 Sucht hat heute sehr viele Gesichter

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Seit der Gründung vor 25 Jahren hat sich in der Stadt Emden die Zahl der Betroffenen mehr als verdoppelt. Trotzdem gebe es immer noch zwei feste Mitarbeiterstellen, sagte die Leiterin Eva-Doris Held.

Emden - Anstrengend, aber erfolgreich war das vergangenen Jahr für die Mitarbeiter der Emder Drogenberatungsstelle (Drobs). Die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention der Gesellschaft zur Hilfe für suchtgefährdete und abhängige Menschen stellte den Jahresbericht vor. 389 Personen wurden demnach in Emden betreut.

„Sucht hat heute sehr viele Gesichter. Prävention und ambulante Therapien haben deshalb erheblich an Bedeutung gewonnen“, heißt es in dem Jahresbericht. Entsprechend haben die Emder Drobs-Mitarbeiter 46 Präventions- und Informationsveranstaltungen mit insgesamt 542 Teilnehmern organisiert. Außerdem waren Mitarbeiter der Einrichtung beim Beratungsmarkt der Osterburgschule in Borssum und beim Präventionstag „Gemeinsam vorbeugen“ vertreten, um Aufklärungs- und Beratungsarbeit zu leisten.

„Seit es die Drobs in Emden gibt, hat sich die Klientenzahl mehr als verdoppelt“, sagt Eva-Doris Held, Leiterin der Emder Beratungsstelle. Auch der Verwaltungsaufwand sei höher, da die Ansprüche an das Berichtwesen gestiegen seien. Der Personalstand sei hingegen aus finanziellen Gründen immer noch der aus dem Anfangsjahr 1990. Es gebe zwei feste Mitarbeiterstellen. Man habe in der Vergangenheit Abstriche machen müssen. Die hätten zuletzt vor allem das Angebot der Teestube getroffen (die OZ berichtete).

Trotz der großen Nachfrage sei es aber gelungen, Termine für Erstgespräche mit Klienten innerhalb einer Woche zu vergeben, so Held. Die Ratsuchenden seien im vergangenen Jahr im Alter zwischen 13 und über 50 Jahre alt gewesen.

„Auffällig in Emden ist ein hoher Anteil bei den Personen über 20 Jahre, die mit Drogen Probleme haben“, sagt die Leiterin. Nur 21 der 389 Betreuten waren jünger. „Diese Zahlen lassen sich aber nicht als Entwarnung bezüglich des Suchtmittelkonsums Jugendlicher interpretieren“, betont die Sozialpädagogin. Junge Drogenkonsumenten seien inzwischen unauffällig. „Kiffen ist zur Normalität geworden. Da dauert es schon mal länger, bis eine Beratungsstelle aufgesucht wird“, weiß Eva-Doris Held.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 5385 Kontakte in der Drogenberatungsstelle Emden registriert. Viele Erstkontakte entstanden in der Teestube. „Trotz der Nachfrage lässt sich die Zeit, in der die Teestube an vier Tagen pro Woche geöffnet war, nicht zurückdrehen“, so Held. Ratsuchende, die ohne Termin gekommen seien, würden aber nie weggeschickt, ohne dass ein Berater zumindest kurz für sie Zeit gehabt habe. „Darauf legen wir Wert.“ "
„Auffällig in Emden ist ein hoher Anteil bei den Personen über 20 Jahre“ "
Eva-Doris-Held